Prüfpunkt 4.1.2Stufe AHilfstechnik: Name, Rolle, Status
Was bedeutet Name, Rolle, Wert bei einer Website?
Name, Rolle und Wert sind die drei Angaben, die jedes Bedienelement einer Website an Hilfsprogramme melden muss. Der Name sagt, wozu das Element dient („Suchen“), die Rolle sagt, was es ist (Schaltfläche, Link, Ankreuzfeld), der Wert sagt, in welchem Zustand es sich befindet (angekreuzt oder leer). Fehlt eine der Angaben, hört ein blinder Besucher nur „Element“ — und kann nichts damit anfangen. Das regelt das WCAG-Kriterium 4.1.2.
Drei Angaben machen ein Element bedienbar
Ein Vorleseprogramm sieht keine Pixel — es liest aus, was der Quelltext über jedes Element meldet. Bei einer sauber gebauten Schaltfläche sagt es: „Suchen, Schaltfläche“. Der Besucher weiß sofort, was passiert, wenn er die Eingabetaste drückt. Bei einem Ankreuzfeld kommt der Wert dazu: „Newsletter abonnieren, Ankreuzfeld, nicht angekreuzt“. Probleme entstehen bei selbstgebauten Bedienelementen: Ein klickbares Symbol ohne Namen wird als „Grafik“ angesagt, ein per Skript zusammengebautes Aufklappmenü ohne Rolle als bedeutungsloser Text. Der sehende Besucher merkt davon nichts — das Element sieht aus wie immer. Für Nutzer von Vorleseprogrammen, Sprachsteuerung und Spezialtastaturen ist es unsichtbar oder unbenutzbar. Robustheit heißt: Die Technik dahinter trägt alle Hilfsprogramme, nicht nur den Bildschirm.
So prüft der Prüfservice Name, Rolle und Wert
Dieses Kriterium prüft unser Messkern in weiten Teilen automatisch mit axe-core in einem echten Browser. Geprüft wird unter anderem: Trägt jede Schaltfläche und jeder Link einen zugänglichen Namen, sind die verwendeten Zusatzangaben für Hilfsprogramme gültig und richtig kombiniert, stimmen selbst vergebene Rollen mit den Regeln überein. Um Zufallsbefunde auszuschließen, läuft die Prüfung zweimal mit 800 Millisekunden Abstand — nur Befunde, die beide Läufe zeigen, zählen. Zusätzlich fließt die Beschriftungszählung aus Kriterium 3.3.2 ein: Ein Eingabefeld ohne verknüpfte Beschriftung hat auch keinen zugänglichen Namen und zählt deshalb ebenfalls als Verstoß gegen 4.1.2. Der Bericht benennt jeden Befund mit Element und Beleg.
Beispiele
Schalter ohne Name, Rolle und Zustand
<div class="toggle on" onclick="umschalten()"></div><button type="button" role="switch" aria-checked="true" onclick="umschalten()">
Benachrichtigungen
</button>Das Vorleseprogramm sagt „Benachrichtigungen, Schalter, eingeschaltet“. Beim Umschalten muss aria-checked mitgeführt werden.
Symbol-Knopf ohne Namen
<button><svg>…</svg></button><button aria-label="Suche öffnen"><svg aria-hidden="true">…</svg></button>So gehen Sie es an
- Bitten Sie Ihre Agentur, für Bedienelemente die eingebauten Bausteine zu verwenden — echte Schaltflächen und Links bringen Name, Rolle und Wert von selbst mit.
- Geben Sie jedem reinen Symbol-Knopf — Lupe, Menü, Warenkorb — einen unsichtbaren, aber technisch hinterlegten Namen.
- Prüfen Sie selbstgebaute Elemente wie Aufklappmenüs und Schalter besonders kritisch — dort fehlen Rolle und Zustand am häufigsten.
- Lassen Sie nach jedem größeren Umbau eine automatische Prüfung laufen, denn ein einziges neues Skript kann viele Elemente stumm schalten.
Weiter im Prüfbereich Barrierefreiheit
- Wie erfahren blinde Besucher von Statusmeldungen einer Website?Statusmeldungen wie „Artikel im Warenkorb“ müssen Vorleseprogramme automatisch ansagen. Was WCAG-Kriterium 4.1.3 verlangt und wie wir es prüfen.
- Wann braucht ein Video eine Gebärdensprach-Übersetzung?WCAG 2.2 Kriterium 1.2.6 (Stufe AAA): aufgezeichnete Videos mit Ton bekommen eine Gebärdensprach-Übersetzung. Für wen das zählt, was es kostet, wie wir es einordnen.
- Wann braucht ein Video eine erweiterte Audiodeskription?WCAG 2.2 Kriterium 1.2.7 (Stufe AAA): Wenn Pausen im Ton für die Bildbeschreibung fehlen, wird das Video angehalten. Wer das braucht und wie es entsteht.
- Wann braucht ein Video ein vollständiges Transkript?WCAG 2.2 Kriterium 1.2.8 (Stufe AAA): Zu jedem aufgezeichneten Video gehört ein Text, der Ton und Bild vollständig wiedergibt. Was hineingehört und wie er entsteht.
Dieser Prüfpunkt gehört zum Prüfbereich Barrierefreiheit; dort stehen alle Prüfpunkte im Überblick. Was die Prüfung insgesamt leistet, zeigt die Leistungsseite; wie ein Ergebnis zustande kommt, erklärt das Prüfverfahren. Alle Prüfbereiche im Überblick: Wissensbasis.
Foto: Michal Klajban, CC BY-SA 3.0





