Prüfpunkt 2.4.6Stufe AAÜberschriften, Tabellen und Reihenfolge
Wie müssen Überschriften und Beschriftungen formuliert sein?
Überschriften und Beschriftungen müssen Thema und Zweck benennen: Eine Überschrift sagt, worum es im folgenden Abschnitt geht, eine Feldbeschriftung sagt, welche Eingabe erwartet wird. Wer mit einem Vorleseprogramm von Überschrift zu Überschrift springt, entscheidet allein anhand dieser Wörter, ob sich das Weiterlesen lohnt. Das WCAG-Kriterium 2.4.6 verlangt deshalb aussagekräftige Formulierungen — „Preise und Leistungen“ statt „Abschnitt 2“.
Überschriften sind das Inhaltsverzeichnis der Seite
Vorleseprogramme bieten eine Sprungliste aller Überschriften an — sie ist für blinde Nutzer das, was für Sehende der schnelle Blick über die Seite ist. Diese Liste funktioniert nur, wenn jede Überschrift für sich spricht: „Anfahrt und Parkmöglichkeiten“ trägt, „Weitere Informationen“ trägt nicht. Dasselbe gilt für Formulare: Die Beschriftung „Telefonnummer (für Rückfragen)“ sagt, was hineingehört und wozu; ein unbeschriftetes Feld mit grauem Beispieltext darin verliert seine Erklärung beim ersten Tastendruck. Aussagekräftige Überschriften helfen nebenbei allen eiligen Lesern — und Suchmaschinen, die Überschriften als Gliederungssignal Ihrer Inhalte werten.
So prüft der Prüfservice Überschriften und Beschriftungen
Die technische Seite ist maschinell gut prüfbar und fließt über verwandte Kriterien in den Bericht ein: ob Überschriften vorhanden sind, ob die Ebenen sauber aufeinander folgen und ob jedes Formularfeld überhaupt eine Beschriftung trägt. Die eigentliche Frage dieses Kriteriums — sagt die Formulierung, was folgt — ist dagegen eine inhaltliche Beurteilung: Ob „Service“ den folgenden Abschnitt trifft, weiß nur, wer ihn liest. Der Prüfbericht weist das offen aus: Jedes WCAG-Kriterium erscheint einzeln als bestanden, verstoßen, manuell zu prüfen oder nicht automatisiert prüfbar. Ein Siegel entsteht bei uns nur aus Aussagen, die die Messung wirklich trägt.
Beispiele
Überschrift ohne Aussage
<h2>Mehr</h2>
<label>Eingabe <input></label><h2>Kosten und Fristen</h2>
<label>Geburtsdatum (TT.MM.JJJJ) <input></label>Überschrift und Beschriftung sagen, was folgt oder was ins Feld gehört.
So gehen Sie es an
- Lesen Sie nur die Überschriften Ihrer wichtigsten Seite von oben nach unten — ergibt sich daraus das Inhaltsverzeichnis der Seite?
- Ersetzen Sie Füll-Überschriften wie „Weitere Informationen“ oder „Sonstiges“ durch das tatsächliche Thema des Abschnitts.
- Beschriften Sie jedes Formularfeld mit einer sichtbaren, dauerhaften Beschriftung — grauer Beispieltext im Feld verschwindet beim Tippen.
- Ergänzen Sie bei Feldern mit besonderen Anforderungen den Zweck direkt in der Beschriftung, etwa „Telefonnummer (für Rückfragen)“.
Weiter im Prüfbereich Barrierefreiheit
- Warum muss der Tastaturfokus auf einer Website sichtbar sein?Ohne sichtbaren Fokusrahmen steuern Tastaturnutzer blind. WCAG 2.4.7 verlangt eine sichtbare Fokus-Anzeige — wir messen sie per Pixel-Vergleich.
- Warum darf ein fixierter Kopfbalken den Tastaturfokus nie ganz verdecken?Fixierte Leisten und Cookie-Hinweise dürfen das fokussierte Element nie vollständig überlagern. Das verlangt das neue WCAG-2.2-Kriterium 2.4.11.
- Warum brauchen Wischgesten eine einfache Klick-Alternative?Wisch- und Mehrfinger-Gesten kann nicht jeder ausführen. WCAG 2.5.1 verlangt für jede solche Geste einen gleichwertigen Weg mit einfachen Tipps.
- Warum soll ein Klick erst beim Loslassen auslösen?Löst ein Klick erst beim Loslassen aus, lässt sich ein Fehlgriff abbrechen: Finger zur Seite ziehen, außerhalb loslassen. Das verlangt WCAG 2.5.2.
Dieser Prüfpunkt gehört zum Prüfbereich Barrierefreiheit; dort stehen alle Prüfpunkte im Überblick. Was die Prüfung insgesamt leistet, zeigt die Leistungsseite; wie ein Ergebnis zustande kommt, erklärt das Prüfverfahren. Alle Prüfbereiche im Überblick: Wissensbasis.
Foto: Clem Onojeghuo, CC0





