Barrierefreiheit · Prüfpunkt
Woran erkennt man einen guten Linktext?
Einen guten Linktext erkennt man daran, dass er sein Ziel benennt: „Preisliste herunterladen“ statt „hier klicken“. Blinde Nutzer lassen sich häufig alle Links einer Seite als Liste vorlesen — losgelöst vom umgebenden Text. In dieser Liste sind zehnmal „mehr“ und „hier“ nicht unterscheidbar; „Preisliste“, „Anfahrt“ und „Kontaktformular“ dagegen schon. Das WCAG-Kriterium 2.4.4 verlangt, dass der Zweck jedes Links aus dem Linktext samt Umfeld hervorgeht.
Linktexte sind Wegweiser — für Menschen und Suchmaschinen
Ein Link ist ein Versprechen: Der Text sagt, was hinter dem Klick wartet. „Jetzt Termin vereinbaren“ hält dieses Versprechen, „hier“ bricht es. Vorleseprogramme bieten eine Linkliste als Schnellnavigation an — dort steht jeder Linktext für sich allein und muss allein verständlich sein. Davon profitieren auch alle anderen: Besucher überfliegen Seiten und bleiben an aussagekräftigen Links hängen. Und Suchmaschinen werten Linktexte als Hinweis darauf, worum es auf der Zielseite geht — „Preisliste Dachdeckerarbeiten“ sagt Google mehr als „Download“. Ein präziser Linktext verbessert also Bedienbarkeit und Auffindbarkeit mit demselben Handgriff.
So prüft der Prüfservice Linktexte
Die Messung zählt Allerweltstexte: Links, deren gesamter Text „hier“ oder „mehr“ lautet, gelten als Verstoß — solche Texte sind aus jeder Linkliste heraus unverständlich, gleich was im Umfeld steht. Findet die Messung keine Allerweltstexte, bleibt bewusst eine Frage offen: Ob die übrigen Linktexte ihr Ziel wirklich treffend benennen, kann nur ein Mensch beurteilen — „Angebot“ kann passen oder in die Irre führen. Der Bericht weist diesen Rest als manuellen Prüfpunkt aus. So steht hinter jedem „bestanden“ ein echter Nachweis und hinter jedem offenen Punkt eine ehrliche Angabe.
So gehen Sie es an
- Suchen Sie auf Ihrer Website nach Links mit dem Text „hier“, „mehr“ oder „weiter“ und ersetzen Sie sie durch das Ziel: „Zur Preisliste“.
- Formulieren Sie Linktexte so, dass sie allein verständlich sind — auch ohne den Satz davor.
- Nennen Sie bei Datei-Links Format und Inhalt, etwa „Produktkatalog als PDF“.
- Vermeiden Sie zehnmal denselben Text „Mehr erfahren“ auf einer Seite — jede Kachel verdient ihren eigenen Zieltext.
Häufige Fragen
Warum ist „hier klicken“ als Linktext ein Problem?
Weil der Text das Ziel verschweigt. Blinde Nutzer navigieren oft über eine Liste aller Links einer Seite — dort steht „hier“ ohne jeden Zusammenhang und ist nicht von anderen „hier“-Links unterscheidbar. Auch Suchmaschinen erfahren nichts über die Zielseite. Ein Linktext wie „Öffnungszeiten ansehen“ löst beide Probleme mit einem Handgriff.
Wie lang darf ein Linktext sein?
So kurz wie möglich, so lang wie nötig: Der Text soll das Ziel eindeutig benennen, ohne ein ganzer Satz zu sein. „Zur Preisliste“ oder „Termin online buchen“ sind gute Längen. Ganze Absätze als Link erschweren das Vorlesen, einzelne Wörter wie „mehr“ sagen zu wenig. Das Ziel gehört in den Linktext, der Rest in den umgebenden Satz.
Prüft der Prüfservice alle Linktexte automatisch?
Die Messung erkennt Allerweltstexte wie „hier“ und „mehr“ zuverlässig und wertet sie als Verstoß. Ob die übrigen Linktexte ihr Ziel treffend beschreiben, ist eine inhaltliche Frage, die ein Mensch beurteilt — der Bericht weist sie offen als manuellen Prüfpunkt aus. So sehen Sie genau, welcher Teil der Aussage gemessen ist und welcher nicht.
Weiter im Prüfbereich Barrierefreiheit
- Warum braucht eine Website mehrere Wege zu jeder Seite?Menü, Suche, Inhaltsübersicht: WCAG 2.4.5 verlangt mindestens zwei Wege zu jeder Seite, weil Menschen unterschiedlich suchen und sich orientieren.
- Wie müssen Überschriften und Beschriftungen formuliert sein?Überschriften und Feldbeschriftungen müssen Thema und Zweck benennen, damit Besucher und Vorleseprogramme sich orientieren können (WCAG 2.4.6).
- Warum muss der Tastaturfokus auf einer Website sichtbar sein?Ohne sichtbaren Fokusrahmen steuern Tastaturnutzer blind. WCAG 2.4.7 verlangt eine sichtbare Fokus-Anzeige — wir messen sie per Pixel-Vergleich.
- Warum darf ein fixierter Kopfbalken den Tastaturfokus nie ganz verdecken?Fixierte Leisten und Cookie-Hinweise dürfen das fokussierte Element nie vollständig überlagern. Das verlangt das neue WCAG-2.2-Kriterium 2.4.11.
Dieser Prüfpunkt gehört zum Prüfbereich Barrierefreiheit — dort stehen alle Prüfpunkte im Überblick. Was die Prüfung insgesamt leistet, zeigt die Leistungsseite; wie ein Ergebnis zustande kommt, erklärt das Prüfverfahren. Alle Prüfbereiche im Überblick: Wissensbasis.